Bauanleitung

Material nach Materialliste S 7+8 beschaffen und alle Positionen in ausreichender Menge resp. Nach den angegebenen Maßen (in cm) vorbereiten. Eine Glasstärke von 2 mm ist ausreichend. Vorsichtige Leute können freilich auch stärkere Scheiben verwenden, wenn sie das größere Gewicht und der höhere Preis nicht stört. Ab 3-4 mm Glasstärke gibt es auch gehärtete Scheiben. Diese gewährleisten höchste Bruchsicherheit. Und schließlich gibt es auch hitzebeständige Fluorkunstoff-Folien (Teflon), welche sich für den Kocherbau eignen.

Herdmulde (2) genach nach Zeichnung S 12 aufzeichnen und ausschneiden. Offsetplatten werden zum Drucken von Zeitungen, Büchern und Plakaten verwendet und nachher wieder eingeschmolzen. Gebrauchte Platten sind zum Schrottpreis in Druckereien zu bekommen. Wenn die Größe nicht ausreicht, können zwei Platten durch Falten solide und dicht verbunden werden wie skizziert:
Die Offsetplatten können mit einer Schere geschnitten oder mit einem Messer geritzt und dann gebrochen werden. Zum Formen der Mulde lege den Zuschnitt mit der glänzenden Seite nach oben auf den Tisch. Presse ein gerades, scharfkantiges Holzstück (z.B. einen Hobel) von höchstens 27 cm Länge so auf das gezeichnete Rechteck in der Blechmitte, daß eine Seite der Herdmulde entlang der gestrichelten Linie hochgebogen werden kann. Wenn so alle vier Seiten hochgebogen sind, forme eine Ecke, indem du die beiden Punkte gegeneinander drückst, welche eine Ecke des oberen Muldenrahmens bilden sollen. Erst jetzt falte den dreieckigen "Zipfel" um und drücke ihn an eine Seitenwand der Mulde wie auf S 12 dargestellt. Nachdem alle vier Ecken so geformt sind, biege die vier oberen Blechkanten 15 mm breit über eine scharfe Tischkante oder ähnliches.
Den Glasrahmen S 13 kannst du auf zwei Arten herstellen. Die Ausführung A benötigt keine speziellen Werkzeuge. Jedes der vier Rahmenteile bekommt an einem Ende einen und am anderen zwei Zapfen. Diese werden mit Säge, Stechbeitel und Holzraspel hergestellt. Mit je einem Nagel (33A) in jedem der zwölf Zapfen werden die Leisten rechtwinklig und verwindungsfrei verbunden. - Die Ausführung B ist leichter herzustellen, benötigt aber eine LAMELLO-Fräse, LAMELLO-Plättchen und Leim. In den Glasrahmen A sind nun noch die vier Glasdistanzleisten (25A) einzusetzen. Du nagelst sie mit je zwei Nägeln (34A) so in den zusammengesetzten Rahmen wie auf S 13 unten ersichtlich. Dabei mußt du darauf achten, daß unten und oben im Rahmen genau gleich viel Abstand bleibt zur Aufnahme der beiden Glasscheiben und der Glashalteleisten (1) und (3). Die Nägel sind zu lang und müssen mit Kneifzange oder Seitenschneider auf 26 mm gekürzt werden. Die Glasscheiben (1) sind vor dem Einsetzen zu reinigen, vor allem auf der Innenseite, wo man später nicht mehr dran kommt. Fixiere sie mit je vier Glashalteleisten (3), die du mit drei Senkholzschrauben (48) befestigst. So kannst du sie leicht wieder entfernen, wenn eine Scheibe ersetzt werden muß. Auch der Rahmen für die Herdmulde kann verschieden hergestellt werden. S 14 zeigt die Bauart ohne LAMELLO. Die zwei Rahmenteile (29A) nagelst du mit zwölf Nägeln (34A) auf die obere und die untere Rahmenleiste (27A+28A). Die Nägel kommen unten aus dem Holz heraus und sollen umgebogen und kräftig zusammengeklopft werden. Achte darauf, daß der so entstehende Rahmen rechtwinklig ist und auf der Oberseite keine Überzähne aufweist. - Hast du aber eine LAMELLO-Fräse, dann kannst du den Rahmen nach S 15 herstellen. Wenn die vier Rahmenleisten genau nach Zeichnung zugeschnitten und die Nuten eingefräst sind, setze vier LAMELLO-Plättchen (26B) mit etwas Holzleim (46) ein und presse die Teile so zusammen, daß sie einen rechtwinkligen Rahmen ohne Überzähne bilden. Nachdem der Leim getrocknet ist, können allenfalls vorstehende Plättchen abgefeilt werden. Auf die Innenseite des Deckels (10) klebst du zuerst die Reflektorfolie (4). Diese schneidest du möglichst ringsum 1-2 cm zu groß, damit du nicht so sehr aufpassen mußt. Was übersteht, kannst du zuletzt mit einem scharfen Messer abschneiden. Wenn du selbstklebend beschichtete Aluminiumfolie verwendest, dann beginne an einer Seite und lege nur zwei cm breit das Schutzpapier um. Nun halte die Folie mit beiden Händen an den beiden klebrigen Ecken und drücke sie sorgfältig und in genau richtiger Lage auf das Deckelbrett. Hinterher läßt sich nichts mehr verschieben! Am besten reibst du nun die Folie mit einem sauberen Lappen, immer von der Mitte aus nach beiden Seiten und ziehe gleichzeitig das Schutzpapier allmählich unter der Folie ab. Steht nur unbeschichtetes Silberpapier zur Verfügung, dann ziehe es mit Klebstoff (5) auf. Jetzt kannst du die Scharniere (18) auf die Spiegelseite und den doppelt gekrümmten Kloben (31) auf die Außenseite des Deckels nieten.
Zuerst sind Löcher von 3 mm Æ in den entsprechenden Abständen zu bohren, dann stecke die Nieten durch das Deckelbrett und lege die Scharniere resp. den Haken darauf. Mit einer massiven Stahl-Unterlage (z.B. großer Hammer) läßt sich nun mit einem kleinen Hammer (100 g genügt bereits!) mit leichten, gezielten Schlägen das weiche Aluminium verformen. Dazu benutzt man die schmal zulaufende Hammerseite (die Quadratische ist zum Nagel bestimmt). Nun schraube die beiden Scharniere an den Glasrahmen, so daß der Deckel sauber abschließt.Bohre sechs Löcher 4 mm Æ durch den Deckel und 1 cm tief in den Glasrahmen für die Deckeltütze. Bohre ein Loch von 3 mm oben vorne rechts in den Glasrahmen zur Befestigung der Schnur (22) sowie zwei Löcher gleicher Größe in den Deckel um die Schnur durchzuziehen wie auf S 20 oben gezeigt, aber vergiß nicht vorher den Schnurspanner (23) "einzufädeln".
Die Deckelstütze (21) bekommt beidseitig einen Nagel (33). Damit das Holz nicht spaltet, mußt du etwas kleiner als Nagelstärke vorbohren. Dann schlage die Nägel so weit ein, daß sie noch 12 mm vorstehen und biege sie mit einer Zange etwa 30° ab.

Schneide die beiden Seitenwände (7) nach S 17 zu und befestige die beiden Eckleisten (16) mit je vier Agraffen (35). Beachte dabei, daß die linke und die rechte Seitenwand spiegelbildlich sind. Schneide die Rückwand (8) die Frontwand (9) und den Boden (6) genau nach Zeichnung zu und nagle die Eckleisten und die Fußleisten sowie die Verstärkung für den Traggriff mit Agraffen in die vorgeschriebenen Positionen, indem du die Agraffen immer auf der Sperrholzseite einschlägst. Die Haftung der Leisten kann verbessert werden, indem du Leim angibst.
Die nach obiger Beschreibung vorbereiteten Sperrholzleisten kannst du mit Agraffen an den fertigen Rahmen für die Herdmulde befestigen gemäß Zeichnung S 20 (letzte Umschlagseite). Auch hier ist die Verwendung von Holzleim empfehlenswert. Bevor das Isoliermaterial eingelegt und der Boden verschlossen wird, mußt du die Herdmulde einsetzen. Dazu genügen 16 Agraffen (36). Nun stelle den Kochherd umgekehrt auf den Tisch mit der Bodenöffnung nach oben und schiebe die nach S 18 zugeschnittenen Isoliermatten ein. Beginne mit den beiden Seitenstücken (41). Dann schneide die Matte für die Rückwand am oberen Ende schräge zu, des gleichen das Stück für vorne.

Die Abschnitte verwende zum Verschließen von Luftlöchern. Wenn du den Boden der Herdmulde versteifen willst, dann lege ein Stück Wellpappe, Trittschallplatte aus Glasfasern oder Steinwolle oder auch aus Sperrholz von 335 x 275 mm darauf, bevor du die letzte Isoliermatte(44) einlegst. Dann verschließe die Kiste mit dem Bodenbrett (6) ohne Leim, damit sie nötigenfalls wieder geöffnet werden kann.

Damit der Ofen auch einmal wirklich heiß wird, mußt du alle Flächen schwarz streichen, welche von der Sonne durch den später montierten Glasdeckel beschienen werden, mit Ausnahme der beiden inneren Seitenwände. Diese dürfen blank bleiben, weil sie die einfallenden Sonnenstrahlen nicht nach außen reflektieren sondern nach innen auf den Herdboden und das Kochgeschirr. Ich verwende einen matten Ofenrohrlack, der sich mit Spiritus verdünnen läßt. Er ist in flüssigem Zustand giftig aber nach gründlichem Antrocknen unbedenklich. Bevor du Lebensmittel in deinen Sonnenofen stellst, mußt du ihn mehrmals aufheizen bis keinerlei Farbgeruch mehr feststellbar ist.

Montiere die vier Filzstreifen auf die Unterseite des Glasrahmens. Schneide sie so kurz, daß sie etwas in die Länge gezogen werden müssen, um den Rahmen ganz abzudecken. Gebe etwas Holzleim auf den Rahmen und nagle jeden Streifen mit vier Agraffen (36) fest. Nun ist auch das Fenster montagebereit. Lege es auf das Kocher-Unterteil und schraube die Scharniere (19) fest. Beachte dabei, daß der Filzstreifen fest eingeklemmt sein muß, um zu dichten.

Montiere einen Kistenverschluß (30) so auf den Glasrahmen, daß damit der Reflektordeckel fest verschlossen werden kann. Dann montiere die beiden übrigen Kistenverschlüsse am Ofen-Unterteil entweder vorne seitlich oder auf die Frontplatte, jedenfalls aber so, daß die Befestigungsschrauben in den Eckleisten (14) Halt finden. Dann drücke das Glasfenster kräftig zu und montiere die beiden einfach gekrümmten Kloben (32) so, daß die Kistenverschlüsse mit Spannung betätigt werden können.

Schließlich schraube noch den Handgriff (20) am oberen Rand der Frontplatte in der Mitte fest und beachte, daß zwei Schrauben (38) in den Rahmen (28) und zwei in die Verstärkung (17) greifen.
Jetzt ist dein Sonnenofen fertig. Du kannst ihn noch individuell bemalen und damit einen gewissen Wetterschutz erreichen. Ein dunkler Anstrich reduziert auch die Wärmeverluste, Indem die Außenseiten von der Sonne erwärmt werden. Bei optimaler Aufstellung bei sommerlicher Mittagssonne, wenn die Sonnenstrahlen etwa rechtwinklig auf die Glasscheiben fallen, kannst du damit etwa 200 Watt "einfangen". Damit läßt sich aber bedeutend mehr kochen oder backen als auf einer elektrischen Heizplatte gleicher Leistung, denn im Sonnenofen müssen nur etwa 20 Liter Luft erwärmt werden. In einer Küche sind es aber mehrere tausend Liter!

Der Reflektor soll so fixiert werden, daß er möglichst viel Licht in den Kochraum spiegelt. wenn du jetzt den Kocher so hinstellst, daß er erst nach einer Stunde optimal beschienen wird, dann kannst du ihn ruhig 2 -3 Stunden sich selbst überlassen. Willst du aber z.B. morgens um 7 Uhr deine Wohnung verlassen und erst um 12 Uhr mittags zurückkommen, dann kannst du den Kochtopf mit dem Mittagessen bereits in den Sonnenofen stellen und diesen so plazieren, daß die Sonne um 11 Uhr optimal hineinscheint. Dann wird nämlich um 12 Uhr dein Mahl gekocht sein. Weil die Speisen weder anbrennen noch überkochen, braucht nie gerührt werden und die Töpfe sind leichter zu reinigen. Du sparst also viel Zeit mit dem Sonnenofen, wenn du dich an die neue Art zu kochen gewöhnt hast.

Zum Kochen im Sonnenofen wird weniger Wasser verwendet als sonst, weil weniger verdampfen kann. Suppen und Getränke kocht man als Konzentrat und verdünnt später vor dem Servieren. So geht das Kochen rascher. Weitere Tips sowie Rezepte für den Sonnenkoch sind in einem kleinen Büchlein zusammengefaßt, welches beim Autor zu haben ist.

Wenn du einen größeren Sonnenofen benötigst, dann kannst du das hier beschriebene Modell einfach breiter machen. Bei dem auf S 4 abgebildeten Familienmodell sind alle in die Breite gehenden Maße 25 cm verlängert. So ist das Herdvolumen 60 % größer. Sowohl das Standard-Modell wie das Famielienmodell und einige weitere Typen sind beim Autor als Bausatz und auch fertig montiert zu haben. Hier bekommst du auch alles Zubehör wie Ofenthermometer, schwarzes Koch- und Backgeschirr, Specksteinplatten als Wärmespeicher und Drahtgitterroste. Und Bauanleitungen gibt es auch in verschiedenen Sprachen; einfach anfragen!

Wenn du Lebensmittel trocknen willst, um sie einige Monate zu konservieren, dann brauchst du einen Sonnen-Trockner oder -dörrer. Im Sonnenofen geht das nicht, denn da wird es viel zu heiß und die Feuchtigkeit wird nicht abgeführt. Der Trockner arbeitet mit sehr niedrigen Temperaturen und mit einem großen Luftdurchsatz. Ich habe Solargeräte für diesen Zweck entwickelt und gebe Bauanleitungen dazu ab. Es sind aber auch Bausätze und fertige Trockner bei mir zu haben.

Alle meine Solargeräte werden mit Agraffen (Krampen) montiert. Ich habe sie in vier verschiedenen Längen vorrätig. Natürlich könnte man statt der Agraffen auch gewöhnliche Nägel verwenden, aber ich ziehe die praktischen Agraffen bzw. Tucker vor.

Weltweit gibt es viele tausend Sonnenöfen der hier beschriebenen Art. 1987 ist er in über 1200 Schweizer Haushalten zu finden. Auf Wunsch zeigen wir interessierten Gruppen im In- und Ausland wie die Solargeräte hergestellt werden. Mittlerweile organisieren auch einige frühere Kursteilnehmer selber Kocherbaukurse. In den Trockengebieten unserer Erde werden noch viele Millionen Sonnenöfen und -trockner benötigt und auch bei uns bilden sie eine wertvolle Ergänzung der traditionellen Küchen. Sie zeigen sehr anschaulich, daß auch bei uns die Sonnenenergie auf recht einfache Weise genutzt werden kann, nicht nur in unseren Küchen, sondern ebenso zur Raumheizung und Brauchwasser-Erwärmung. Damit ließen sich bei uns enorme Energiemengen einsparen!


Sonnenofen für tropische Gebiete	in Schweisskonstruktion   Sonnenofen für tropische Gebiete in Schweisskonstruktion






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