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Mein Besuch bei Familie Oehler
Im Laufe der Arbeit fragte ich mich, wie ich noch mehr Informationen
über Solaröfen bekommen könnte, da ich nicht sehr viel
Literatur fand. So entschied ich mich, einen Brief an den Schweizer Ulrich
Oehler zu schreiben, da er, wie mir schien, einiges mit dem Ofen zu tun
hatte und er der Entwickler des von mir ausgesuchten Ofens war. Auch war
ich bei meiner Suche auf keine anderen interessanten Adressen gestoßen,
so dass mir keine große Wahl blieb. Leider kam mir dieser Gedanke
erst gegen Ende der Sommerferien, wodurch ich wertvolle Zeit verlor. Ich
hatte ihn um Informationen gebeten, die er mir dann auch gleich zusandte.
Um mir aber richtig weiterhelfen zu können, schlug er mir vor ihn
zu besuchen, da er bei sich eine riesige Auswahl an Literatur habe und
er mir viel erzählen könne. Auch hätte ich bei ihm die
Möglichkeit einen Ofen zu bauen und ihn anschließend mitzunehmen.
So hatte ich schnell den Entschluss gefasst ihn aufzusuchen. Ich ließ
mir Zeit bis ich mit ihm telefonierte, da ich erst in den Herbstferien
wieder die Chance hatte nach Basel zu fahren. Dies war natürlich
nicht so gut für mich, da dies so kurz vor Ende der Arbeit und deshalb
eigentlich schon viel zu spät war. Doch freute ich mich natürlich,
mit jemandem zu sprechen, der Erfahrung hatte.
Endlich war es soweit, und ich fuhr mit dem Zug nach Basel. Dort angekommen,
staunte ich nicht schlecht über eine so große Anzahl an Öfen,
die dort zu sehen waren. Im Flur stand direkt eine ganze Reihe von teilweise
schön bemalten Solaröfen in den verschiedensten Modellen. Im
ganzen Haus waren interessante Sachen, die vor allem an seine zahlreichen
Besuche zusammen mit seiner Frau in Afrika und Asien erinnerten. Das Haus
war recht groß und diente auch als Hauptsitz der ULOG Gruppe die
er mit initiiert hatte. Diese setzt sich für den Vertrieb von Solaröfen
in der Dritten Welt, in der Schweiz und Nachbarländern ein. Auf die
Idee war er schon vor langer Zeit gekommen: 1974 zog er als Maschinenbauer,
gemeinsam mit seiner Frau, nach Botswana, um dort in der Entwicklungshilfe
zu arbeiten. Er war damals bereits 50 Jahre alt, und dies stellte ihn
vor Probleme, da kaum jemand Menschen in so einem gehobenen Alter für
die Entwicklungshilfe einsetzen wollte. Doch sein Wille, die Welt zu verbessern,
war stärker, er kam nach Südafrika, blieb dort für sechs
Jahre und lehrte die Menschen Maschinenbau. Während seines Aufenthaltes
lernte er den Ofen kennen und war sofort begeistert, wie auch die armen
Menschen dort, die an den mangelnden Brennmaterialien litten. Das einzige,
was sie verunsicherte, war, dass er nicht in den Industrieländern
genutzt wurde, weshalb die Oehlers nach ihrem Aufenthalt dort begannen,
ihn auch hier zu verbreiten. Später fuhren sie noch oft in arme Gegenden
um dort zu helfen, im ganzen mehr als zehn mal. Langsam werden sie alt
und sie sehen das Ende ihrer Tätigkeit auf sich zukommen, doch haben
sie in ihrem Leben einiges für die Verbreitung getan und sie hoffen,
dass es auch ohne sie weiterläuft. Neben seiner Arbeit in der Entwicklungshilfe
konstruierte er auch das Modell, das ich zuhause begonnen hatte.
Am ersten Tag fragte er mich dann, nachdem er mir das Haus gezeigt hatte,
ob ich bei ihm einen Ofen bauen wollte. Ich hatte dies zwar Anfangs nicht
vor, doch überlegte ich es mir anders, da ich gerne von seinen Erfahrungen
profitieren wollte. Im Keller des Hauses sah ich neben seiner ausgebauten
Werkstatt noch einige Geräte, einen Solardörrer und zwei Parabolspiegelkocher,
von denen der eine für eine Großküche gedacht war. Im
Arbeitsraum war alles vorhanden, was für den Bau einer Kochkiste
nötig war. Wir begannen dann am zweiten Tag mit dem Bau eines recht
kleinen und leichten Modells, das ein Gehäuse aus Pappe hatte. Da
alle Materialien vorhanden waren und aufgrund der reichhaltigen Erfahrung
Herrn Oehlers kamen wir mit dem Bau recht schnell voran. Es war so, dass
er mir alles vormachte und ich es dann ausführte, so dass ich den
Ofen unter reichhaltiger und professioneller Anleitung baute. Er erklärte
mir alles recht genau und brachte mir Tricks bei, die beim Bau sehr sinnvoll
sind. Dies konnte ich gut gebrauchen, da mein Ofen daheim zwar schon zum
größten Teil fertig war, die schwierigsten Teile aber noch
nicht gemacht waren und ich ihn noch zusammensetzen musste. Beim Anfertigen
verwendeten wir größtenteils Agraffen (Krampen) statt Nägeln,
da dies dafür sehr praktisch war. Diese setzten wir nicht mit einem
normalen Krampensetzer, sondern mit einem Gerät, in den die Agraffen
einzeln hineingesteckt wurden, und dann durch Klopfen auf den sich am
Ende befindenden Knopf versenkt wurden. Dieses Werkzeug baute er selber
zusammen, um es dann zu verkaufen. Wie er mir erzählte, machte der
Verkauf seinen größten finanziellen Zuschuss aus. Nach drei
Tagen hatten wir den Ofen dann fertig gebaut, und ich war um einige Erfahrungen
reicher.
Ich wunderte mich immer wieder, wie so ein Herr im Alter von 80 Jahren
noch so gut mit handwerklichen Sachen umgehen konnte und auch seine Intelligenz
und sein Einfallsreichtum ließen mich staunen. Er erklärte
mir viele Sachen wie z.B. die Funktionsweise eines Solarkühlschranks
(siehe Kap. Solarenergie), und zeigte mir, wie wichtig es ist, die Sachen,
die wir in unserer Umwelt sehen, zu verstehen.
Während meines Aufenthaltes in Basel konnte ich glücklicherweise
bei ihnen im Haus wohnen, in dem reichlich Platz vorhanden war, da sie
schon länger in dem Haus wohnten, früher mit mehreren Personen.
Doch konnten sie den Platz auch gut gebrauchen, da sie oft Besuch haben.
Viele Leute kommen vorbei, um sich zu informieren oder dort etwas zu bauen.
Als ich da war, kamen z.B. ein Mann und sein Sohn vorbei, die sich für
Solardörrer interessierten. Auch an dem Tag meiner Abreise sollte
noch eine alte Bekannte der Oehlers vorbeikommen, die dort für ein
paar Tage wohnen wollte. In dem Haus wurden also stetig Leute herzlich
beherbergt, was ich später auch an einem dicken Gästebuch erkennen
konnte.
In dem Haus gab es noch einige Sachen die ich sehr interessant fand. Zum
kochen benutzten sie Kochkisten: dies ist eine einfache, gut isolierte
Kiste, in der man, wenn das Essen auf Siedetemperatur erhitzt wurde, weiterkochen
kann ohne dafür Energie zu benötigen. Herr Oehler erzählte
mir, dass diese Gerät früher, vor dem zweiten Weltkrieg sehr
oft benutzt wurde, doch dann plötzlich grundlos verschwand. Bei ihnen
wurde es aber noch benutzt, und ich wunderte mich, dass ich noch nie von
etwas derartigem gehört hatte. Hieran sieht man auch, wie bequem
die Menschen geworden sind und wie niedrig der Wille ist, Energie zu sparen.
An dem Zimmer in dem ich wohnte, war auch ein Balkon, auf dem auch eine
Solarheizung befestigt war. Auch diese begeisterte mich, da sie so einfach
aufgebaut war (siehe Solarenergie). Auch standen dort oben natürlich
mehrere Solaröfen, unter anderem eine Kochkiste. An einem sonnigen
Tag benutzten wir sie um damit Linsen zu kochen. Wir stellten die Linsen
Mittags hinein und nahmen sie zwei bis drei Stunden später wieder
raus, doch waren sie leider noch nicht gar und wir mussten sie nochmals
hineinstellen. Dies wunderte mich etwas, da ich die Leistung etwas höher
eingeschätzt hatte, doch lag es auch daran, dass Hülsenfrüchte
die längste Kochzeit haben. Es dauerte dann nicht mehr lange, bis
wir die Linsen genießen konnten. Dies war mein erster und einziger
Kochversuch, da ich meine Öfen zu spät fertig gebaut habe. Zuhause
hatte ich trotz des einigermaßen guten Wetters, keine Möglichkeit
ihn zu testen, da unser Balkon leider nicht nach Süden ausgerichtet
ist.

Bild: Herr Oehler erhitzt eine Suppe mit dem Solarofen
Im Endeffekt war mein Besuch eine große Bereicherung für mich
sowie für meine Arbeit. Am vierten Tag verlies die Oehlers wieder,
im Gepäck einen kleinen Solarofen.

Bild: Der Suppentopf im Solarofen mit Temperaturanzeiger
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