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Akzeptanzprobleme
Bei der Verbreitung von Solaröfen treten neben den organisatorischen
Problemen (siehe Kap. Verbreitungsmethoden) auch Schwierigkeiten mit den
Benutzern selber auf. Die mangelnde Akzeptanz für die neue Technologie
hat verschiedene Gründe. Teilweise müssen Gewohnheiten verändert
werden, der Ofen bringt Nachteile mit sich oder verbessert die Lebensbedingungen
nicht genug. Die Akzeptanzprobleme nehmen ein größeres Ausmaß
an als man vermutet hatte, und aus vielen erfolgversprechenden Projekten
ist aus diesem Grund nichts geworden.
Zu allererst muss gesagt werden, dass die Menschen den Ofen nur nutzen,
wenn sie daraus einen direkten Nutzen ziehen. Bekommen sie also Brennholz
für wenig Geld und auf einfachem Wege, haben sie kein Bedürfnis
den Kocher zu verwenden. Auch wenn die Situation prekär (schlecht)
ist, muss der Ofen finanzierbar sein. Dies ist nicht so einfach bei dem
niedrigen Einkommen, das die Menschen in der Dritten Welt haben. Auch
bei subventionierten Öfen stellt es oft ein Problem dar, das Geld
aufzutreiben. Hierbei sind Ratenzahlungen sehr sinnvoll, denn für
viele Benutzer amortisiert er sich nach recht kurzer Zeit, sie sind dann
auch oft bereit zu bezahlen, können es sich aber gar nicht auf einmal
leisten. In den Familien sind es meistens die Personen, die den größten
Gewinn haben werden, die sich für ihn aussprechen. Dies sind in der
Regel Frauen und Kinder, da sie sonst das Holz suchen müssen und
so Zeit sparen. Wenn der Großteil des Holzes gekauft wird, setzt
sich eher der Hausherr für die Neuanschaffung ein, da er als Verdienender
sparen möchte, und die Kosten für Brennholz teilweise extrem
hoch sind. Hierfür können schon mal bis zu 40% des Einkommens
draufgehen. Doch haben die Frauen natürlich eine größeres
Interesse, da sie ja diejenigen sind, die den Ofen später nutzen
werden. Sie müssen überlegen, ob er Nachteile mit sich bringt,
oder ob die Vorteile überwiegen. Die Männer interessieren sich
mehr für die Technik und betrachten ihn teilweise als Statussymbol.
Wenn dies der Fall ist, ziehen sie der Kochkiste den Parabolspiegelkocher
vor, da dieser wesentlich mehr hergibt, und für vorbeigehende Leute
ein richtiger Hingucker ist.
Bei Beobachtungen fiel auf, dass die effektivste und kreativste Nutzung
von Frauen gemacht wurde, die am wenigsten sozialer Kontrolle ausgesetzt
waren. Wenn eine Familie z.B. mit den Großeltern zusammenwohnt oder
der Mann zuhause arbeitet, kann die Frau nicht die komplette Leistung
aus dem Ofen raus holen und sich nicht in der gesparten Zeit etwas anderem
widmen.
Im Ofen kann fast alles kochen, was mit der normalen Feuerstelle auch
möglich war, nur Grillen und krosses Backen sind nicht möglich.
Für die meisten Frauen stellt dies kaum ein Problem dar. Doch mangels
der hohen Temperaturen lässt sich kein Fladenbrot herstellen abgesehen
von türkischem. Dies ist nicht so schlimm, und es zählt eher
die Unzugänglichkeit des Kochguts, die für die Benutzer gewöhnungsbedürftig
ist. So ist das Zubereiten von einigen traditionellen Gerichten wie z.B.
Ugali (Maisbrei) schwer durchzuführen. Hierfür werden die Zutaten
nämlich nach und nach beigegeben, was mit der "neuen Feuerstelle"
nicht mehr möglich ist. Es muss nun entweder eine Umstellung der
Kochgewohnheiten erfolgen, bei der das Essen auf einmal oder in zwei Schritten
hinein gestellt wird, was bei der schonenderen Zubereitung nicht so schlimm
ist, aber den Geschmack trotzdem beeinträchtigt, oder es wird die
alte Holzfeuerstelle verwendet. Diese muss sowieso in beiden Fällen
beibehalten werden, da der Solarkocher nicht alle ihre Funktionen übernimmt.
Denn er kann die Räume nicht beheizen, kann auch nicht als Beleuchtung
dienen und gegen in der Wohnung herumschwirrende Insekten bringt er auch
nichts. Konservieren durch Rauch von Lebensmitteln ist ebensowenig möglich.
Er hat also auch entscheidende Nachteile gegenüber der Feuerstelle,
spart dafür aber das für das Kochen verwendete Holz und ist
besser für die Gesundheit. Durch den Rauch atmen die Leute krebserregende
Stoffe ein und bekommen chronische Lungenerkrankungen und Augenbindehautreizungen.
Da die medizinische Versorgung nicht so gut ist, hat dies meistens auch
noch schlimmere Folgen als in unseren Breiten.
Sehr wichtig ist auch, dass der Ofen individuell auf die Benutzer angefertigt
wurde, da er nur so ein wirklich gutes Resultat liefert und eine optimale
Handhabung bietet. Oft ist er zu groß, was ihn wiederum zu schwer
macht und außerdem für einen längeren Kochvorgang sorgt.
Er kann natürlich auch zu klein sein, was natürlich zu noch
größeren Problemen führt. Auch haben die Menschen spezielle
Wünsche: die einen wollen vielleicht Rollen haben um ihn besser befördern
zu können, und die anderen wollen statt einer Glasscheibe lieber
eine Plastikfolie, da diese leichter und preiswerter ist. Hiermit lassen
sich zwar nicht so gute Ergebnisse erzielen, sind aber bei hohen Temperaturen
trotzdem gut einsetzbar.
Die langen Kochzeiten sind eines der Hauptakzeptanzprobleme. Der Ofen
benötigt vor dem normalen Kochvorgang ca. eine Stunde um sich zu
erhitzen. Dann dauert es nochmals ein bis zwei Stunden, bis das Essen
fertig ist. Dies erfordert auf jeden Fall eine Umstellung der Kochgewohnheiten.
Das Essen kocht zwar länger, doch heißt dies nicht, dass mehr
Zeit verloren geht. Im Gegenteil: der Ofen bedarf ja keiner Aufsicht und
so kann, wenn er erst gefüllt ist, die Zeit für andere Tätigkeiten
genutzt werden. Man kann so bis zu zwei Stunden Zeit sparen. Wenn man
dazu noch die Zeit zählt, die für das Holz sammeln verlorenging,
kommt schon einiges zusammen. Dadurch haben auch immer mehr Frauen die
Möglichkeit, einer Beschäftigung nachzugehen und dadurch Geld
zu verdienen, was im Idealfall dann für die Ratenzahlung des Ofens
verwendet werden kann. Doch die Leistung bleibt ein Problem, da die Menschen
öfters zu einem schnellen Kochergebnis kommen müssen oder sie
Mahlzeiten einnehmen, wenn der Kocher nicht einsatzfähig ist. In
vielen Regionen wird schon früh am Morgen Hitze benötigt zur
Herstellung von Tee oder warmen Speisen. Auch abends, wenn die Sonne schon
untergegangen ist, möchte man kochen. Dies ist höchstens mit
einem Speicher möglich und auch dann nicht optimal.
Befürchtungen, das Feuer könne für religiöse oder
soziale Zwecke genutzt werden, müssen nicht vorhanden sein. In manchen
Regionen dient es zwar als Treffpunkt, wie aber schon eben erwähnt,
wird das Feuer ja nicht durch den Ofen verdrängt, lediglich beschränkt.
Manchmal treffen sich die Frauen auch an der Feuerstelle, um gemeinsam
zu kochen: dann kommen solare Großküchen oder Gemeinschaftsöfen
in Frage.
Meistens wird allerdings im Hof gekocht, da es in vielen Gegenden unsittlich
ist, dies draußen auf der Straße zu tun. Teilweise wird auch
auf Dächer oder breite Fensterbänke zurückgegriffen, wenn
kein Hof vorhanden ist. Es gibt auch schon mal Probleme bei Leuten, die
zwar gerne vor ihrer Tür kochen würden, sich dies aber nicht
trauen, da sie befürchten, der Ofen könnte gestohlen werden
oder es könnte sogar jemand das Essen vergiften.
Wichtig für die Akzeptanz ist aber auch das Vertrauen in diese Technologie.
Die Bewohner der armen Länder wollen oft wissen, ob diese Geräte
denn auch bei uns benutzt würden, da sie dies sehr interessiert.
Sie nehmen sich den Lebensstil der Industrieländer zum Vorbild und
wollen nicht irgendwelche Erfindungen benutzen, die, für sie aus
unverständlichen Gründen, von uns nicht verwendet werden. Deshalb
ist die Verbreitung in unseren Breiten auch sehr wichtig. Ein Paradebeispiel
hierfür ist die Schweiz, in der es heute bereits über 8000 Solaröfen
gibt.
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